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Testbericht von Christoph Keller

Eine deutsch-chinesische Co-Produktion

Die Zusammenarbeit zwischen deutschen Entwicklern und chinesischen Produzenten ist an sich nicht so neu, denken wir an den Mesmerize 2 oder an die Brunhilde und Kriemhild. Im Falle des Nautilus GT geht das Ganze aber eben ein Stückchen weiter, da aus Deutschland die Grundgestalt des Taifun GTR Pate für den neuen Nautilus GT stand.

Dabei flossen alle Vorteile aus beiden Produkt-Reihen in die Symbiose ein: das überaus hohe KnowHow was deutsche Verdampfer-Konstruktion aus dem Hause SmokerStore (Taifun) angeht, verbunden mit der Prominenz der “alt-ehrwürdigen” Nautilus-Reihe von Aspire, die in Sachen Fertigcoil-MTL schon seit Jahren im Grunde die Referenz darstellt. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Wechsel von SmokerStore aus der Selbstwickler-Tradition hinüber in den Bereich der Fertigcoil-Verdampfer. Was nun dabei heraus gekommen ist, wollen wir uns näher ansehen.

Produktbewertung von Christoph Keller:
5/5

Den  Aspire Nautilus GT finden Sie in unserem Dampfmatiker-Shop hier.

Das Beste aus beiden Welten

In seiner Bauweise ist der Nautilus GT eindeutig an die Erscheinungsform des Taifun GTR angelehnt. Das ist einerseits das Profil von 24 mm, die Formgebung, das Verschlußsystem der Topcap sowie die clevere Mechanik des äußeren Airflowringes, der durch eine kleine drehbare Edelstahlkugel in seiner jeweiligen Position fixiert wird.

Nautilus GT

Wenn man es genau nimmt, ist das einzige Überbleibsel der älteren Nautilus-Modelle, die in ihrer Formgebung durchaus schon sehr unterschiedlich waren (vergl. Nautilus 1, Nautilus 2s und Nautilus X), die typische Nautilus-BVC-Coil und deren Befestigung in der Basis.

Es ist dementsprechend Fakt, dass das Produkt an sich nicht von der Konstruktion her eine typische Co-Produktion ist, sondern eher, was die Fertigung und die Marktemission in Sachen höherer Stückzahlen angeht. Aus meiner Sicht dürfte dieses Vorgehen mittel- und langfristig einer der wenigen Wege sein, dass europäische Hersteller die Stückzahlen anbieten können, die einerseits von einem wachsenden Markt verlangt werden, andererseits aber ihren eigenen Qualitätsanspruch zuverlässig umzusetzen – und das dazu noch in einer Preislage, die für eine breitere Konsumentenschicht interessant sein dürfte.

Nautilus GT • Erster Eindruck
Ich hatte auf der InterTabac 2019 bereits die Freude, mir den Nautilus GT genauer ansehen zu dürfen, jedoch natürlich nur in einem Vorserienmodell. Gedampft hatte ich ihn nicht und natürlich auch nicht bis ins Detail demontiert. Insofern war ich schon sehr gespannt, wie sich der neue Dampfknecht nun anlässt wenn er in Serienqualität in unserem Lager landet. Zugegeben, ich war etwas mißtrauisch, da der Straßenpreis des Nautilus GT am Ende doch weit niedriger war, als anfangs angekündigt oder angedacht.

Ich muss zugeben, dass mich die Verarbeitungsqualität des Probanden sofort überzeugt und begeistert hat. Den Verdampfer aufzuschrauben, ist ein Genuss. Ich habe selten derart weiche, vertrauenerweckende Gewinde erlebt. Alles ist passgenau, sauber und ordentlich verarbeitet. Ich dachte mir, wenn er so schmeckt, wie er aussieht und sich anfühlt, dann wird das ein toller Verdampfer sein. Das bezieht sich allerdings auf Fertigcoil-Produkte. Im Selbstwickler-Segment höherer Preisklasse erwarte ich diese Qualität natürlich obligatorisch. Bei einem Verdampferli für knapp 30€ setzt man dann andere Maßstäbe an.

Mit in der Packung sind zwei Coils, einmal die 0,7Ω-Nautilus2-Mesh-Coil, diese ist vorinstalliert, zweitens eine 1,6Ω-Coil, die für die meisten passionierten Nautilus-Benutzer als Standard-Coil gelten dürfte. Dazu gibt es noch ein Ersatzglas, ein Päckchen mit Dichtungsringen und das obligatorische USB-Ladekabel. Alles ist fein und liebevoll verpackt – die gewohnte Aspire-Qualität lässt grüßen.

Nautilus GT • Konstruktionsmerkmale

Nautilus GTWas mir an allen Nautili (gefällt mir besser als “Nautilusse”) bisher sehr gut gefallen hat, ist die Coilbesfestigung, bei der der untere Abschlußring der Coil mit dem oberen Boden der Basis bündig abschließt. Im Nautilus GT sehen wir nun aber unter der Coil eine kleine Änderung: es ist dort im Grunde kaum noch ein Hohlraum vorhanden, vielmehr schmiegt sich die Basis sehr eng um die Coil, wobei die Airflowöffnungen von außen sehr dicht am Airfloweinlass der Coil zu liegen kommen. Das sorgt für eine effektivere Luftführung um den Einlass der Coil herum und äußerst sich in einem angenehmen Zuggeräusch. Ferner wird hierdurch auch einer Ansammlung von Kondensflüssigkeit vorgebeugt.

Der nächste auffällige Punkt ist der Kamin, der die Coil umschließt und seinerseits mittels kleiner Öffnung knapp über dem Boden den Liquidnachfluss zur Coil hin gewährleistet. Das ist technisch weitaus besser, als wenn die Coil einfach schutzlos im Liquid steht. Die Konstruktion ist hier ganz ähnlich der des Pipeline Mesmerize 2 und sorgt für einen gewissen Puffereffekt, der einer ungezügelten Liquidsättigung der Coil entgegenwirkt.

Geradezu bestechend ist für mich jedoch die Oberseite des Kamins, denn dort setzt nicht einfach nur die Topcap auf! An der Unterseite der Topcap befindet sich ein Gegenstück zum Kamin im Tank, das beim Aufsetzen der Topcap sozusagen in den Kamin hinein gesteckt wird. Dieses Detail ist genauso unauffällig wie wirkungsvoll. Denn sieht man sich diese Konstruktion etwas genauer an, bemerkt man, dass der PEI-Stöpsel am Unterteil der Topcap, der seinerseits mit zwei O-Ringen abgedichtet wird, in etwa über der Wicklung innerhalb der Coil zu liegen kommt. Um die Sache perfekt zu machen, ist die Innenbohrung dieses gesteckten Kaminoberteils so eng, dass sie direkt mit der Luftführung in der Coil korrespondiert. Die Auswirkung davon besteht darin, dass die Coil selbst zum Innenteil des Kamins wird und ab Oberkante der Wicklung sofort eine enge Luftführung einsetzt, die genau diese Schwachstelle von Fertigcoil-Verdampfern wirkungsvoll einschränkt.

Nautilus GT

Ich habe versucht, diese Konstruktion mit der nebenstehenden Montage im Bild sichtbar zu machen. Man sieht auf dem Foto sehr schön, dass der PEI-Stöpsel in der Coil steckt, und zwar bis zur Oberkante des äußeren Gewindes an der Coil, was ziemlich genau der Oberkante der inneren Vertikal-Wicklung entspricht. Beim näheren Vergleich der Innendurchmesser von Coil und Kaminoberteil fällt ein geradezu übergangsloser Dampfkanal auf. Meines Erachtens liegt an dieser Stelle auch das eigentlich Novum hinsichtlich der Luft-Dampf-Führung in einem Fertigcoil-Verdampfer.

Hinsichtlich der äußeren Airflowöffnungen lässt sich feststellen, dass die weiteste von ihnen im Durchmesser etwas größer als der Innendurchmesser der 1,6Ω- und 1,8Ω-Coils ist. Das führt – für einen Fertigcoilverdampfer durchaus nicht selbstverständlich – zu einer gewissen Luftkompression unter der Wicklung. Bei einer Fertigcoil ist im Gegensatz zu einem Selbstwickler keine Änderung des Luftdurchlasses möglich. Gute MTL-Selbstwikcler bieten hierfür eben austauschbare Airfloweinsäte an (Ambition Mods Gage, Cthulhu Mods Hastur, Vapefly Galaxies, Pipeline Mesmerize, Brunhilde MTL etc.p.p.). Insofern ist diese Lösung mit einer weiten Öffnung in Anpassung an die zur Verfügung stehenden Coils sehr sinnvoll. Der Zugwiderstand lässt sich auch hier eben nur über den äußeren Airflowring einstellen, was aber beim Nautilus GT – bedingt durch die innere Luftführung – auch eine zufriedenstellende Wirkung zeigt. Das ist etwas anderes, als einfach nur die Luftzufuhr zu verengen und einmal mehr den Nutzern zu suggerieren, dass auf diese Art ein MTL-Zuggefühl entstünde. Hier beim Nautilus GT zeigt die Airfloweinstellung eine sehr gute Wirkung: ein mittelstrenger Zug (1,6- und 1,8Ω-Coils vorausgesetzt) ist bis hinab zu einem sehr engen Zug leicht einstellbar.

Nautilus GTQuasi eins zu eins aus dem Taifun GTR übernommen ist auch die Topcap-Konstruktion mit Bajonett-Verschluß. Die Topcap lässt sich per kleiner Drehung nach rechts sehr gut abnehmen. Allerdings ist dies etwas hakeliger als beim Taifun GTR, da die gesamte Topcap mit ihrem unteren “Fortsatz” durch zwei O-Ringe abgedichtet in der Coil steckt. Man muß also etwas beherzter ziehen, mit dem blossen Drehen ist es nicht getan. Wie beim GTR helfen zwei Positionspunkte beim Wiederverschließen, damit man sieht, wie die Kappe wieder aufgesetzt werden muss: Punkt über Punkt und dann nach links drehen. Nach dem Abnehmen der Topcap hat man Zugang zu zwei ausreichend groß dimensionierten Einfüllöffnungen, was das Auffüllen von bis zu 3 ml Liquid in den Tank sehr einfach gestaltet, eben gleich zum Taifun GTR.

Nautilus GT • Coils
Zur Auswahl für den Nautilus GT stehen die klassischen BVC-Nautilus-Coils in 0,7Ω, 1,6Ω und 1,8Ω sowie die neueren Mesh-Coils für den Nautilus 2 und 2S mit 0,7Ω. Welche nun wem am besten liegen, dürfte letztlich Geschmackssache sein. Ich muss zugeben, dass nach dem Vergleich zwischen den 1,6Ω- und den 0,7Ω-Mesh-Coils letztere mir keinen Genuss spenden. Der Dampf ist in dem kleinen Luftkanal für mich bei weitem zu heiß und auch nicht dicht genug. Stelle ich die Leistung tatsächlich auf ca. 25 Watt, wird mir das ganze Dampfverhalten zu stark und zu warm, fast aggressiv. Für ein restriktives DTL mag das die entsprechenden Dampfer überzeugen, für mich ist und bleibt solch ein Dampfen ein seltsam unbefriedigendes Erlebnis. Will ich DTL, dann greife ich zu einem entsprechenden Verdampfer. Aber dies ist eine rein subejktive Empfindung, wie oben gesagt, das ist Geschmackssache.

Die 1,6Ω-Coil hingegen liefert echtes MTL. Der krasse Unterschied zwischen dieser und der Mesh-Coil liegt natürlich auch am Innendurchmesser der Wicklung selbst, der bei der Mesh-Coil locker doppelt so weit ist wie bei der MTL-Coil. Bei der Mesh-Coil liefert aus meiner Sicht auch der äußere Airflow-Einsatz einfach nicht genug Luft, entsprechend wenig wird die Coil beim Ziehen gekühlt. Ich weiß auch nicht, inwiefern diese Mesh-Coil vonseiten der Konstrukteure ernsthaft mit einbezogen worden ist. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass der gesamte Nautilus GT auf die MTL-Coils eingestellt ist.

Das für mich wesentlich bessere Ergebnis bringen entsprechend eben auch die hochohmigen Coils, hier stimmt einfach alles: geschmacklich bietet der Nautilus mit der 1,6Ω-Coil das für mich bisher überzeugendste MTL-Fertigcoil-Erlebnis! Es hat hier auch durchaus Sinn, mit der Airflow zu spielen, um den Verdampfer recht präzise auf den eigenen Geschmack einzustellen.

Ich will jetzt nicht sagen, dass der Nautilus GT einem guten Selbstwickler wirklich das Wasser reichen kann, aber ich muss gestehen, nach meinem Geschmack kommt er sehr nah heran. Der Dampf ist dicht, das Zuggefühl echtes MTL und der Geschmack hervorragend.

Was gibt es sonst noch?
Erhältlich ist der Nautilus GT als einzelner Verdampfer oder auch im Verbund mit dem neuen Glint Mod als Kit. Der Glint Mod selbst ist ein sehr netter, formschöner 25mm-Akkuträger, auf dem auch andere Verdampfer sicherlich eine gute Figur machen. Er wird mit einem 18.650er-Akku betrieben und liefert auf Pico-Niveau bis 75 Watt. Überhaupt liegt der Vergleich mit der Pico recht nahe, da Glint und Pico in etwa den gleichen Form- bzw. Größenfaktor haben wenn man den Akkudeckel des Pico mit einbezieht. Dabei empfiehlt sich der Glint Mod insbesondere für Einsteiger, da er lediglich den reinen Leistungsmodus (variable Watt) bietet und somit nicht mit undurchsichtigen Einstellungsmöglichkeiten unnötig verwirrt.

Nautilus GT

Was noch spezielle Erwähnung verdient, ist der optional erhältliche PSU-Tank zum Nautilus GT. Man kann mit diesem “Ersatzteil” den Metallkorpus des Tanks durch eine praktisch unkaputtbare PSU-Einheit ersetzen, die das gesamte Outfit und die Anmutung des Nautilus GTs schlagartig verändert. Denn damit rückt der Nautilus GT auf fast amüsante Art in die direkte optische Verwandschaft zum Taifun GTR. Neben der Funktion des Fake-GTRs bietet sich diese recht preisgünstige Erweiterung speziell für unterwegs an, denn PSU – aus dem auch der Tank des GTR gemacht ist – ist äußerst widerstandsfähig und robust.

Fazit

Es ist für mich immer eine Herausforderung, einen MTL-Fertigcoil-Verdampfer zu beurteilen, denn ich bin voreingenommen durch meine Vorliebe für Selbstwickel-Verdampfer. Ein Fertigcoil-Verdampfer kann kosntruktionsbedingt einem Selbstwickler mit all dessen Möglichkeiten zur Optimierung das Wasser nicht reichen. Dennoch haben Fertigcoil-Verdampfer eine wichtige Existenzberechtigung, denn sie eignen sich bestens, um Einsteigern eine einfach zu handhabende Möglichkeit zu bieten, sich ins Dampfen einzufinden. Aber auch für Selbstwickler-Verwöhnte wie mich kann ein Fertigcoiler Vorteile bieten: wenn es schnell gehen muss, ist das Handling einfach, alte Coil raus, neue rein. Aber der Nautilus GT ist mehr, auch für mich!

Ich denke, das Warten hat sich gelohnt. Mit dem Nautilus GT ist SmokerStore und Aspire ein zweifelsfrei großer Wurf gelungen, der mehr ist, als einer der vielen Hypes von Produkten, die am Ende doch nicht mehr sind, als eben noch ein Produkt zu sein, das nach kurzer Zeit wieder in Vergessenheit gerät um dem nächsten #beschde Platz zu machen. Der Nautilus GT wird, so denke ich, eines der Standard-Produkte am Markt werden, der ebenso wie seine Vorgänger immer seine Liebhaber haben wird, zu denen ich mich bereits jetzt zähle.

Ein nicht unbedeutendes Kriterium dürfte auch der Preis sein: ganz ehrlich, wäre der Nautilus GT mein Produkt, wäre der Preis zweifelsohne sicherlich 10-15€ höher, denn das ist dieser Verdampfer mit Sicherheit wert, was die gelieferte Gegenleistung angeht. Für den nun aufgerufenen Preis jedoch dürfte er unschlagbar sein.

In seinem Segment der MTL-Ferticoiler setzt der Nautilus GT nach meiner Ansicht Maßstäbe: in seiner Verarbeitung, dem Material, seiner Verwandlungsfähigkeit zum Pseudo-GTR und seiner Geschmacksintensität legt der Nautilus GT die Latte, an der sich andere messen müssen, wieder ein Stückchen höher.

© Text und Bilder 2020 by Christoph Keller • Das Kopieren, Weitergeben und/oder die sonstige Verwendung dieses Textes oder der enthaltenen Bilder, ganz gleich in welcher Form, auch auszugsweise, ist ohne Erlaubnis des Urhebers untersagt.
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